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Wort zum Nachdenken / Wochenende 25./26.07.

Zusammenhalt in Familie und Gesellschaft. Kennen Sie die Geschichte vom „verlorenen Sohn“ (Lk 15)?
Datum:
Veröffentlicht: 23.7.26
Von:
Verena Gebhard

Sie wird gern angeführt, um die Bedeutung von Vergebung zu zeigen.

Aber sie erzählt uns gleichzeitig auch, wie Zusammenhalt in der Familie, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft gehen kann. Es gibt da drei „Rollen“:

Zunächst die des jüngeren Bruders, der sein Erbe verspielt, in höchste Not gerät und auf Versöhnung und Neuaufnahme angewiesen ist. In seinem Schicksal spiegelt sich zugleich unser aller Weg der Abnabelung aus dem eigenen Elternhaus und die Tatsache, dass wir erst aus einer gewissen Distanz den Wert all dessen erkennen können, aus dem wir stammen.

Dann gibt es den älteren Bruder, voller Treue, Leistungsbereitschaft und Eifersucht. Obwohl er zunächst nicht so sympathisch wirkt, müssen wir zugeben, dass wir alle viele Anteile seines Charakters haben. Was wäre die Welt ohne den Einsatz und den Ehrgeiz der Menschen? Friedlicher wird dieser Mensch erst, als er seine Augen öffnen kann für die Not seines jüngeren Bruders.

Schließlich ist da der gute Vater, der beide Söhne bedingungslos so annimmt, wie sie sind, und der zwischen seinen Familienmitgliedern vermittelt. Wir wissen wenig über seine Motive. Wer hat ihn geliebt und angenommen, so dass er die Kraft dazu findet? Was motiviert ihn dazu, gut zu sein?

Die Rollen in dieser Geschichte können sicher genauso gut von uns allen übernommen werden, es geht um menschliche Urerfahrungen und phasenweise finden wir uns alle in der einen oder anderen Rolle wieder. Gleichzeitig spiegeln sich darin Handlungsmöglichkeiten für den Zusammenhalt:

Weder in der Familie, noch am Arbeitsplatz, noch in der Gesellschaft herrscht dauernd Harmonie. Aber es liegt an uns, wie wir damit umgehen. Wir können es beim Ärger belassen und uns voneinander entfernen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass wir etwas in den Zusammenhalt investieren, uns einander annehmen, wie wir sind, zwischen Streitenden vermitteln und uns wieder versöhnen.

Michael Groß

Caritas