„Wir gestalten Zusammenhalt"- 6. Hanau Gedenktag in Lauf.

Am Anfang versammelten sich nur wenige Personen und Gäste in den Cafés blickten mit Neugierde auf die Bühne. Dann setzte die Percussiongruppe Bo Africo ein und der Platz am Hersbrucker Tor füllte sich zum 6. Gedenktag für die Attentate in Hanau. Ein breites Bündnis aus Religionsgemeinschaften, Jugendverbänden, Schulen, Vereinen und Initiativgruppen hatten aufgerufen. Das Motto verknüpfte Geschichte und Zuklunft: LEBENSLÄUFE – Wir gestalten Zusammenhalt. Dr. Michael Groß von der Caritas Nürnberger Land begrüßte die Besucher und die Vertretungen aller demokratischen Parteien, die durch ihre Präsenz das Anliegen unterstützten.
„Ich lebe gerne in Lauf“, so führte Pfarrer Kuno Hauck, Vertreter von Amnesty International in die Veranstaltung ein, „in Lauf erlebe ich auch ein sehr gutes Miteinander der verschiedenen Menschen“. Er verweist auf den wertschätzenden Umgang miteinander beim Fest der Nationen, die vielfältige Gastronomie und das interreligiöse Friedensgebet. Anschließend erinnerte Hauck an die 9 ermordeten Opfer von Hanau und die Überlebenden. Rechtsextremismus hat keinen Platz unter uns. Unsere erste Frage sollte immer lauten: „Was brauchst du Mensch?“
Drei Redner erzählten ihren Weg als Flüchtlinge nach Lauf. Helmut Reich, musste als siebenjähriger Junge seine Heimat Eger verlassen und fand herzliche Aufnahme in der Stadt. Er steht für zwei entscheidende Kriterien in der Integration, Wohnung und Arbeit, welche die Familie bereits nach wenigen Tagen gefunden hatte.
Sazan Alrashedani, Irakerin mit kurdischer Volkszugehörigkeit, berichtete über die Zerrissenheit auf der Flucht. 4 Jahre musste sie sich gedulden, bis sie mit ihren Kindern in Deutschland Sicherheit fanden und zusammenleben konnten. Ihre Tochter weinte in dieser Zeit fast täglich. Dieses Jahr schließt Sazan ihre Erzieherinnen-Ausbildung ab, um dann ihrem Traumberuf nachzugehen.
Sehr ambivalent erlebte Dr. René Tomingas aus Estland die Aufnahme bei uns. Anfänglich erfuhr er Ablehnung und Beschimpfungen: „Dreckige Ausländer, verfluchte Polaken“ riefen ihm die Einheimischen nach. Mit Schule und Studium wendete sich das Blatt. Zuletzt arbeitete er als Chefarzt im Schnaittacher Krankenhaus und später leitete er den Klinikverbund im Nürnberger Land. Viele Deutsche verdanken ihm ihr Leben. Das versöhnte ihn mit seiner Geschichte.
Die Initiative Laufeinander Zugehen lud die Teilnehmenden in Form eines Spiels dazu ein, sich individuell für die Demokratie zu positionieren.
Michael Groß beschloss die Beiträge mit der Überzeugung: „Wenn Menschen aufeinander zugehen, dann hat unsere Gesellschaft eine Zukunft.“ Die Beiträge wurden von der Percussiongruppe und dem Jugendchor der Johanniskantorei begleitet.
Den Abschluss bildeten die Religionsgemeinschaften. Sie verwiesen auf ihre unheilvolle Geschichte der Abgrenzung und Verfolgung. Doch heute zählt das gute Miteinander. Jede fand etwas Verbindendes. Beispielsweise liegt die Brücke zwischen Muslimen, Katholiken und orthodoxen Christen in der gemeinsamen Migrationsgeschichte der zweiten Generation. „Wir alle sind jetzt Laufer“, so ihr Fazit.
Text: Fritz Blanz