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Der Segen der Drei Könige

Herr Dr. Groß
In den letzten Tagen durfte ich mit den Sternsingern unterwegs sein und bin noch immer voller Achtung für ihren ehrenamtlichen Einsatz.
Datum:
Veröffentlicht: 9.1.26
Von:
Michaela Hadam

Es fordert Kraft, sich trotz der großen Kälte tagelang von Haus zu Haus zu bewegen, zu klingeln, und sich immer wieder abweisen zu lassen beim Versuch, Spenden zu sammeln. Manchmal wird die Tür kurz geöffnet und sofort wieder zugeschlagen, mal gibt es böse oder überhebliche Kommentare.

Ist denn etwas falsch an diesem sozialen Einsatz junger Menschen, die für Kinder in Bangladesch sammeln, damit diese in die Schule gehen können und nicht mehr für unseren Wohlstand in Fabriken mit Giften hantieren müssen?

Zum Glück gibt es viele Menschen, die die Sternsinger gern anhören, großzügig spenden und sich über den Segen an der Tür freuen. Es ist ein schöner alter Brauch, das ganze Jahr über immer wieder unter einem Türsturz durchzugehen, der ausdrückt, dass dieses Haus gesegnet ist. An manchen Türen kann man alte Sternsinger-Segen finden, die schon viele Jahre alt sind und nicht gelöscht wurden. Schwingt darin eine alte Ahnung nach, dass wir nicht allein für Gelingen oder Misslingen unseres Lebens verantwortlich sind, sondern auf den Segen und die Gnade anderer angewiesen sind? Die vielen Fehler unseres Lebens bringen uns alle früher oder später zu der Gewissheit, dass wir in der Hand anderer sind, angewiesen auf die Liebe anderer und die Gnade Gottes, der uns annimmt, wie wir sind, und uns Vergebung zuspricht. Ohne diesen Segen anderer wären wir irgendwann verloren in unserer Verzweiflung, aus der wir uns aus eigener Kraft nicht mehr befreien können.

Im besten Fall geschieht beim Sternsingen das kleine Wunder der echten menschlichen Begegnung: dann spüren engagierte Kinder, dass sie jemandem, den sie gar nicht kennen, eine große Freude machen. Alte oder einsame Menschen, Menschen wie du und ich, sind berührt von dem unverhofften Moment des Gesehenwerdens und Angenommenseins. Man kann es in den Augen lesen.

Über die "echten" Drei Könige wissen wir so wenig: wo kamen sie her? Was motivierte sie? Was machte die Begegnung mit dem kleinen Säugling mit ihnen? Wo gingen sie hin?

Seltsam ist, und es ist nachdenkenswert, dass sich ihr Handeln noch nach 2000 Jahren segensreich auswirkt. Schon am nächsten Montag müssen einige Kinder in Bangladesch nicht mehr in die Fabrik, sondern dürfen in die Schule. 

 

Michael Groß

Caritas