Caritas Bamberg stärkt Kinderschutzstelle in Senegal

Michael Endres: „Gute Entscheidung, dieses Projekt zu unterstützen“
Die gemeinsame Entscheidung, die dortigen Schutzstelle für Straßenkinder langfristig zu unterstützen, sei gut und absolut richtig gewesen. Im Interview mit caritas-bamberg.de äußerte sich der Bamberger Caritaschef außerdem auch zur Projekt-Finanzierung, zur professionellen Arbeit der Partner vor Ort, zu den Lebensumständen der Straßenkinder und den persönlichen Eindrücken, die Endres von der Reise gewonnen hat.
Seit gut zwei Jahren engagiert sich der Diözesan-Caritasverband Bamberg gemeinsam mit der lokalen NGO enda Jeunesse Action für Kinder und Jugendliche, die auf den Straßen der Stadt Thiès leben leben. Vor Ort habe er sich selbst ein Bild darüber gemacht, wie professionell und engagiert das Projekt umgesetzt werde, berichtet Endres. „Wir haben mit enda Jeunesse Action einen hochkompetenten Partner gefunden. Die Verantwortlichen begleiten genau die Kinder, denen wir als Caritas helfen wollen – mit sozialpädagogischem Know-how und persönlichem Einsatz.“
Kinder leben unter extremen Bedingungen
Das Projekt richtet sich vor allem an Kinder im Grundschulalter, die in Thiès ohne Familie und ohne feste Unterkunft auf der Straße leben. Viele von ihnen sind aus prekären Familienverhältnissen geflohen. Armut, beengte Wohnsituationen und innerfamiliäre Konflikte führen häufig dazu, dass Kinder ihr Zuhause verlassen.
Die Lebensbedingungen der Straßenkinder sind extrem: mangelnde Hygiene, fehlende medizinische Versorgung, Gewalt und Hunger prägen ihren Alltag. „Für uns in Deutschland ist kaum vorstellbar, unter welchen Umständen diese Kinder leben müssen“, so Endres.
Schutz, Versorgung und Perspektiven
In der Kinderschutzstelle erhalten die Kinder grundlegende Hilfe: Sie können duschen, bekommen regelmäßige Mahlzeiten sowie medizinische und psychologische Betreuung und finden eine sichere Übernachtungsmöglichkeit. Ziel ist es, die Kinder langfristig von der Straße zu holen und – wenn möglich – wieder in ihre Familien zu integrieren.
Dabei gehen die Mitarbeitenden differenziert vor. „Es wird genau geschaut, warum ein Kind von zu Hause weggelaufen ist und welche Bedingungen geschaffen werden müssen, damit eine Rückkehr dauerhaft gelingt“, erklärt Endres. Streetworker leisten intensive sozialpädagogische Arbeit und begleiten auch die Familien.
In den vergangenen zwei Jahren wurden knapp 480 Straßenkinder in der Schutzstelle betreut. Rund ein Drittel – etwa 160 Kinder – konnte erfolgreich in ihre Familien zurückgeführt werden. Neben überwiegend Jungen erreichen inzwischen auch zunehmend Mädchen das Angebot, die häufig vor häuslicher Gewalt fliehen.
Unterstützung auch für Jugendliche und junge Erwachsene
Das Projekt richtet sich zudem an Jugendliche und junge Erwachsene. Mit finanzieller Starthilfe und fachlicher Begleitung erhalten sie die Chance, eigene kleine Unternehmen aufzubauen und ihren Lebensunterhalt selbst zu sichern. „Ich habe einen jungen Mann kennengelernt, der eine Ausbildung zum Schneider gemacht und eine eigene Schneiderei eröffnet hat. Das zeigt, dass dieser Ansatz funktioniert“, berichtet Endres.
Langfristige Finanzierung gesichert
Um die Arbeit nachhaltig zu sichern, hat der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg beschlossen, das Projekt in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt 250.000 Euro zu fördern. Dieses langfristige Engagement sei entscheidend für die Qualität und Kontinuität der Hilfe, betont Endres: „Wenn man gute Arbeit vor Ort will, muss man Projekte auch dauerhaft mit den erforderlichen Mitteln ausstatten.“ Das klare Bekenntnis wurde von den Partnern in Senegal sowie von Caritas international ausdrücklich begrüßt.
Prägende Eindrücke und klare Botschaft
Die Begegnungen mit den Kindern haben Endres nachhaltig beeindruckt – etwa ihre Freude über eine warme Mahlzeit, medizinische Versorgung oder einen sicheren Schlafplatz. Die Reise habe auch seinen Blick auf die eigene Arbeit geschärft: „Sie erinnert mich daran, den Fokus noch stärker auf die Schwächsten der Gesellschaft zu richten – egal ob im Senegal, in Deutschland oder anderswo.“
Seine Botschaft im Namen der Straßenkinder an die Menschen in Deutschland ist eindeutig: „Vergesst Afrika nicht."
Das Interview im Wortlaut auf caritas-bamberg.de